Unter Deck der Willing 31

Jan H. Linge war ein großer Name für kleine Kielboote wie den Soling oder Yngling. Mit der Willing 31 aus dem Entwurfsjahr 1976 machte sich der Norweger auch einen Namen im Fahrtensegment. Kann das kurios-kojenreiche Konzept auch heute noch überzeugen? Ein Blick unter Deck

Wer sich über das aussteifende Brückendeck ins Innere der Willing 31 begibt, könnte meinen, der Konstrukteur hatte bei seinem Wohnkonzept den Baby-Boom der 1960er und 1970er Jahre vor Augen. Eine Bettenburg aus kuriosen neun Kojen kann im Extrem belegt werden. Nach heutigen Komfortansprüchen dürfte die Hälfte an Besatzung jedoch ausreichen, um auf dem nur 9,50 Meter langen Boot noch Ruhe zu finden. Die üppige Kojenanzahl war neben der Seetüchtigkeit wohl auch der Grund, warum so viele Willings in Charter oder als Ausbildungsschiffe liefen/ laufen.

Zwei zeittypische Hundekojen tun sich achtern unter den Cockpitduchten auf, weshalb Backskistenstauraum hier leider fehlt. Üppiges wie Fender muss notdürftig achtern in zwei tieferen Backskisten gestaut werden. Direkt am Niedergang backbords liegt eine bugwärts ausgerichtete L-Pantry mit zweiflammigen Spirituskocher und großem Eisfach. Letzteres wurde auf vielen Booten schon auf Gas und echten Kühlschrank umgerüstet. Ihr gegenüber positioniert: Eine funktionale Navi in Fahrtrichtung mit großem Kartentisch. Der Navigator nutzte das Kopfende der Hundekoje zum Sitzen und konnte so nachts zwischen Schlafphasen gewonnene Kenntnisse als Kommandos direkt ins Cockpit weitergeben – so funktionierte Fahrtensegeln in den 1970ern.

Wegen des breiten IOR-Bauches ließ sich schiffsmittig ein geräumiger Salon realisieren, der backbords eine Dinette beherbergt, die durch Absenken des Tisches zu einer Doppelkoje umbaubar ist. Ihr gegenüber liegt eine Längsbank, die ebenfalls als Koje umbaubar ist. Beidseitig darüber finden sich statt Stauschränken zwei weitere Lotsenkojen. Sie lassen sich heute aber auch zum Stauen von Taschen nutzen, wodurch man sich allerdings die Sicht/ das Licht der Rumpffenster nimmt. Über eine hochgezogene, aussteifende Bodenwrange gelangt man ins abgetrennte Vorschiff. Backbords findet sich eine kleine Nasszelle mit Pump-Toilette und und ausziehbarem Waschbecken – zum Duschen blieb in den 1970ern meist nur der Gang zum Hafenmeister. Wer die Tür zum Vorschiff öffnet, schließt automatisch den großen Stauschrank steuerbords. Die V-Koje bietet zwei Erwachsenen vollen Schlafkomfort. Ablagen für Bücher fehlen jedoch.

Im Gros wirkt der Ausbau in Teak und Teaksperrholz sauber gearbeitet. Wo nötig, finden sich Schlingerleisten und an zentralen Orten wie im Salon oder der Navi wurde der Rumpf seitlich in Holz gewegert. Diese Baunummer befindet sich allerdings auch in einem guten Pflegezustand: Das Teak wurde bereits nachlackiert und die Seitenwände von den zeittypischen Teppichen befreit, was dem Interieur ein aufgeräumtes Flair verleiht. Fehlend ist schlicht schnell zugänglicher Stauraum in Form von Ablagen und Schränken für die alltäglichen Dinge des Lebens – ein Manko, das dem kompanieartigen Kojenanspruch geschuldet wurde.

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