Werftporträt: Rustler Yachts

Rustler Yachts hat sich einen Namen mit Blauwasseryachten gemacht. Bei der Neuauflage des Golden Globe Races 2018/19 waren die ersten Yachten im Ziel von Rustler. Doch die Werft baut seit einigen Jahren auch gefragte Daysailer und Weekender

Es ist jedes Mal ein Puzzlespiel, wenn die Bootsbauer die Aufbauseitenwände einer Rustler 33 in Holz ausführen sollen. Die goldbraunen Teakfurniere müssen doppelt passen: Erstens sollen die beiden Seiten möglichst ähnlich aussehen. Darum suchen die Handwerker makellose Furnierpaare mit annähernd gleicher Maserung. Zweitens sollen die Furniere in Längsrichtung möglichst nahtlos aneinander stoßen. Im besten Fall fällt es gar nicht auf, wenn es einen Stoß gibt.

Sind die Bootsbauer fündig geworden, schneiden sie die Konturen der Aufbauseitenwände aus den 0,6 Millimeter dünnen Furnieren aus und legen sie zur Kontrolle trocken in die Form. Auch wenn die Seitenwände später aussehen, als seien sie aus Holz – es handelt sich um einen Aufbau aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Wenn die Handwerker zufrieden sind, entfernen sie die Furnierteile wieder. Dann streichen sie die Form mit einem durchsichtigen Gelcoat ein und legen die Furniere auf diese Schicht.

 

Bootsbauer von Rustler Yachts bereiten einen Teil des Decks für die Vakuuminfusion vor

Zum Schluss folgt eine Lage Glasgewebe als Träger. Dann hüllen die Bootsbauer das Holz-Glas-Gelege in der Form in eine Folie ein, schließen Schläuche und eine Vakuumpumpe an und lassen durch einen zweiten Satz Schläuche das Polyesterharz einlaufen. Ist das Harz verteilt, erhitzen sie das Ganze. So härtet es aus und die Furniere sind fixiert. In einem zweiten Schritt folgen die restlichen Glasfasermatten. Zwei Arbeitsgänge sind nötig, weil sich die hauchdünnen Furniere sonst bewegen würden.

„Es sieht fantastisch aus“ sagt Werftchef Adrian Jones. „Und wir wollen zeigen, dass wir Vakuuminfusion beherrschen.“ Die Verbindung von Tradition und Moderne passt zur Rustler 33, die als Retroklassiker ohnehin etwas von einem Wolf im Schafspelz hat. Über Wasser besitzt die Yacht aus der Feder des englischen Designers Stephen Jones lange Überhänge und ein kleines Spiegelheck, unter Wasser einen extrem beschnittenen Lateralplan mit freistehendem Balanceruder und kurzem, L-förmigem Kiel.

Die Werft in Falmouth im äußersten Südwesten von England brachte die Rustler 33 im Jahr 2011 auf den Markt, als größere und modernisierte Variante der Rustler 24. Diesen Daysailer hatte der Betrieb 2009 eingeführt. Dafür griff Rustler Yachts auf einen Entwurf des schottischen Designers David Boyd von 1966 zurück. Boyd war damals einer der führenden Yachtdesigner und hatte unter anderem die 12er Sceptre und Sovereign als Herausforderer für den America’ s Cup 1958 und 1964 entworfen.

 

Die Navigationsecke im Bau. Die Tischlerarbeiten werden sorgfältig ausgeführt

Dem damaligen Stil entsprechend ist die Rustler 24 ein klassisches offenes Kielboot mit langem Kiel und angehängtem Ruder. Eigentlich passte sie 2009 nicht mehr in die Zeit. Doch Rustler Yachts landete damit einen unerwarteten Erfolg. In nur zwei Jahren verkaufte die Werft 35 Stück. Boyds Entwurf bündelte die ganze Erfahrung des Yachtdesigners und entsprach zugleich dem Wunsch, das Segeln auf das Wesentliche zu reduzieren. Zugleich fragten Kunden nach einer größeren Variante mit Kajüte.

Beflügelt von dem Erfolg mit der Rustler 24 gaben die Werftchefs bei Designer Stephen Jones die Rustler 33 als Weekender in Auftrag. So kommt es, dass die beiden Boote sich vom Rest der Rustler-Familie unterscheiden. Bis zur Rustler 24 hatte sich die Werft vor allem mit Blauwasseryachten einen Namen gemacht. Die erste Yacht mit diesem Markenzeichen stammt aus der Feder von Kim Holman, der 1964/65 eine neue Version seiner Twister 31 zeichnet – mit deutlichen Anleihen beim Folkeboot.

Der Salon einer Rustler 42 nimmt Gestalt an

Holmans Rustler 31 wird in den 1970ern von verschiedenen Werften in England gebaut. 1980 entwirft Holman eine größere Version. Die Rustler 36 ist wiederum ein vom Folkeboot abgeleiteter Plattgatter. Auch die Rustler 36 wird zunächst auf verschiedenen Werften gebaut. Dann wird 1987 in Falmouth Orion Marine als Rustler-Werft gegründet. In den nächsten Jahren erarbeitet sich die Rustler 36 in der Szene einen Ruf als seegängige und hochwertige, wenn auch nicht ganz günstige Fahrtenyacht.

1992 rückt die Werft ins Rampenlicht, als die segelbegeisterte und -erfahrene Prinzessin Anne sich eine Rustler 36 kauft. Seitdem wächst die Werft langsam, aber beständig. Adrian Jones kennt seine Kunden gut. „Sie sind in ihren 50ern oder 60ern und stehen kurz vor dem Ruhestand. Sie sind einigermaßen wohlhabend und haben ihr ganzes Leben gesegelt. Sie segeln zu zweit und suchen ein Boot, mit dem sie um die Welt segeln können, wenn sie es wollen. Und sie wollen keine zu großen Boote.“

Die klassische Rustler-Yacht ist so etwas wie ein Land Rover unter Segeln. Nicht übermäßig luxuriös, aber vollkommen zuverlässig. In diesem Sinne bringt die Werft 1999 als größere und leicht modernisierte Variante die Rustler 42 auf den Markt. Auch sie ist für Blauwassersegler gedacht. Im Bau sind die Details noch gut zu sehen. Die schweren Püttinge beispielsweise sind sowohl am Deck als auch am rundum anlaminierten Hauptschott angebolzt. Der Ballast ist eingelegt statt untergebolzt.

Vorgefertigte Griffleisten für die Rustler 42 im Holzlager der Werft (Bild: Jan Maas)

Auf Kundenwunsch folgt 2009 die Rustler 44 als etwas größere Decksalonvariante der Rustler 42. Mit 13,7 Tonnen auch kein Leichtgewicht. Im Handauflegeverfahren entstehen massive Laminatstärken. „Es sind schwere Boote“ sagt Jones. „Aber das hat seinen Grund: Wir wollen unsere Kunden mit gutem Gewissen um die Welt segeln lassen.“ Für Kunden, die auf kurze Törns bei Sonnenschein aus sind, hat Rustler ja inzwischen die 24 und die 33 im Angebot: den Morgan neben dem Land Rover.

Adrian Jones weiß, dass Rustler Yachts’ Nische begrenzt ist. Entsprechend setzt die Werft nicht auf hohe Stückzahlen, sondern auf Qualität, damit die Kunden zufrieden sind und wieder kommen. Für den guten Ruf der Werft ist auch die Arbeitsweise verantwortlich. Es gibt kein Fließbandverfahren, sondern die Teams begleiten ihre Boote von Anfang bis Ende. Die Handwerker kennen ihre Boote und fühlen sich mit ihnen verbunden. „Das spart uns Garantieleistungen“, sagt der Werftchef.

Und es trägt sicher zu der Markenloyalität bei, die Jones bei seiner Kundschaft beobachtet. „Wenn die Kunden das zweite Mal zu Besuch kommen, sprechen die Bootsbauer sie schon mit dem Vornamen an.“ Der Betrieb wächst mit den Kunden. Ebenso wie die Rustler 33 und 44 auf Kundenwunsch entwickelt wurden, entsteht vielleicht eines Tages eine größere Yacht, wenn die Nachfrage reicht. Pläne für eine 53- und eine 63-Fuß-Yacht existieren.

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