Serie: Ich & mein Boot

Windbeutel II: 20er Jollenkreuzer

Drei Jahre harte Arbeit und ein fester Zeitplan: Das ist das Rezept, nach dem Ulf Meusel und seine Partnerin den 20er Jollenkreuzer Windbeutel II restauriert haben

Nach einem Boot zum Wasserwandern hatten Ulf Meusel und seine Partnerin Astrid Ahrendt schon lange gesucht. Im August 2015 bekamen sie ein Angebot, dass sie nicht ablehnen konnten. Die Zugvögel segelten gerade ihre Deutsche Meisterschaft in Plön aus. An einem dieser Tage ging Meusel zum Mittwochssegeln. Es war flau. Weder bei den Zugvögeln noch bei der Vereinswettfahrt wurde gesegelt. Die Crews kamen ins Klönen, und jemand interessierte sich für Meusels restaurierte hölzerne H-Jolle von Drewitz. Ob er denn Unterlagen über die Restaurierung habe. Die hatte er, und sie waren auch schnell geholt und ausgeliehen.

Ulf Meusel restaurierte den 20er Jollenkreuzer in 3.000 Arbeitsstunden

Am nächsten Tag wurde Ulf Meusel ins Wohnmobil eingeladen. Man habe drei alte Jollenkreuzer, mit der Restaurierung komme man nicht hinterher und den einen würden sie ihm wohl schenken. Konstrukteur: Reinhard Drewitz. Meusel schlug ein, ohne das Boot gesehen zu haben, das schon seit Jahren trocken an Land stand.

Anzeige

Seit Juni 2018 schwimmt und segelt der Windbeutel II aus der Feder des legendären Berliner Konstrukteurs Drewitz wieder. Bis dahin waren jedoch mehr als 3.000 Arbeitsstunden fällig. Ulf Meusel beschreibt, was das praktisch hieß: „Jeden Tag nach Feierabend drei Stunden länger bleiben, an den Wochenenden arbeiten und fast drei Jahre keinen Urlaub machen.“ Er hatte einen strikten Zeitplan: Bis zum 2. Juni 2018, dem anvisierten Start der Classic Week, sollte das Boot segelklar sein.

Die Windbeutel II wurde 1932 gebaut. Die 86 Jahre sieht man dem 20er Jollenkreuzer nach dem Totalrefit nicht mehr an

Während der Bauzeit wurde diese Veranstaltung zwar um ein Jahr verschoben, aber ihren Zeitplan haben Ulf Meusel und seine Partnerin dennoch eingehalten. Obwohl sie doppelt so viele Stunden brauchten, wie ursprünglich geplant: „Für die H-Jolle habe ich 750 Stunden gebraucht, also habe ich für den 20er einfach 1.500 veranschlagt. Wir haben dann bei 3.000 aufgehört, zu zählen.“ Hilfreich war sicherlich, dass Meusel als Angestellter der Knierim-Werft in Kiel Halle und Werkzeug nutzen konnte.

»Auferstanden aus Ruinen«

Der Bootsbauer hat sein Handwerk auf der Volkswerft Stralsund gelernt. Im Sommer 1990 brach er auf, um die Schlei zu erkunden, nachdem er einen Revierbericht gelesen hatte, und machte auf der Knierim-Werft, die zu dem Zeitpunkt noch in Laboe war, Zwischenstopp. Den damaligen Chef Günter Knierim muss der junge Mann beeindruckt haben. Er bot ihm an, auf dem Rückweg noch einmal vorbeizukommen. Vielleicht habe er bis dahin eine Wohnung für ihn. Seitdem lebt Meusel in Schleswig-Holstein.

Ulf Meusel hat das Schiff liebevoll restauriert und bis ins letzte Detail alles perfekt umgesetzt

Bis zum Probeschlag mit dem restaurierten Windbeutel II im Juni 2018 war Meusel überhaupt noch nie mit einem 20er Jollenkreuzer gesegelt. Dennoch war er sich sicher, das richtige Boot gefunden zu haben. Mit der H-Jolle in den Urlaub zu fahren, das bedeutete, einen Verein zu finden, wo das Boot liegen konnte, und dann im Bus zu schlafen. Nicht schlecht, aber kein Wasserwandern im eigentlichen Sinne. „Urlaub mit der H-Jolle ist hakelig“, beschreibt es Meusel.

Auch die Teilnahme an der Classic Week war mit der H-Jolle „hakelig“: Es musste von jedem Etappenziel jemand zurück an den Ausgangsort fahren, um Bus und Trailer nachzuholen. Mit dem Jollenkreuzer ist die Tour bequemer zu segeln. Außerdem träumen Meusel und Ahrendt von Urlauben in Schweden und Masuren. Doch ganz oben auf der Liste stehen die Boddengewässer. „Dort bin ich seit der Wende nicht mehr gesegelt“, sagt Ulf Meusel.

Das Boot

Länge über alles: 7,73 m
Breite: 2,31
Segelfläche: 20 m²
Konstrukteur: Reinhard Drewitz
Werft: Buchholz (Potsdam)
Baujahr: 1932

1 Comment

  1. Grandios Ulf!!!
    welch ein Schmuckstück- keiner hat für die Klassiker soviel Gefühl – fast Empathie 😉

Kommentieren
*Pflichtfelder. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht